Baumelt am Schlüsselbund: Apple AirTag – Bluetooth-Tagger zum Wiederfinden von verlegten Gegenständen

Apple AirTags | Foto © Helmut Hackl
Apple AirTags | Foto © Helmut Hackl

Apple hat seinen AirTag vorgestellt. Das ist ein kleiner Bluetooth-Tagger, mit dem sich verlegte Gegenstände leichter wiederfinden lassen. Auch mit Hilfe des “Wo ist?”-Netzwerkes. Ich bestellte mir ein 4er-Pack …

Mein einziges Bedenken gegenüber so einem Bluetooth-Tagger war bisher: Finde ich ihn im Fall der Fälle wieder? Da bietet zwar manch Anbieter einen “Community Finder”-Service an, das allerdings bei uns ob der überschaubaren Anzahl an Nutzern höchstwahrscheinlich nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Das können nur Apple oder Google wirklich sinnvoll umsetzen, wenn diese Funktionalität standardmäßig vom Betriebssystem unterstützt wird. Irgendein Gerät da draussen wird den verlustigen Tagger schon aufspüren. Dieses Bedenken ist mit den AirTags hinfällig.

Apple AirTags | Foto © Helmut Hackl
Apple AirTags | Foto © Helmut Hackl

Die wichtigsten Sachen im Überblick

• AirTags werden über die Apple ID registriert, die Daten werden in der iCloud gespeichert. Mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Pro Apple ID lassen sich bis zu 16 AirTags koppeln.

• Die Übertragung erfolgt über Bluetooth 5 Low Energy. Zusätzlich kommt Ultrabreitband (UWB) zum Einsatz, wie schon ab iPhone 11, Watch 6 und HomePod mini. Verbaut ist zudem ein Beschleunigungssensor. Die Koppelung klappt so simpel wie bei den AirPods und ist selbsterklärend.

AirTag verbinden

• Die Abmessungen betragen ca. 32x32x8 mm. Als Materialien kommen Edelstahl (für die Platte) und Kunststoff (für die Schale) zum Einsatz. Im Laufe der Zeit werden wohl Kratzer ins Gehäuse kommen – die Dinger sind schließlich Gebrauchsartikel. Mit Schutz nach IP67 (bis zu 1 Meter für bis zu 30 Minuten). Das Gewicht liegt bei 11 Gramm. Auf Wunsch ist – bei Bestellungen direkt bei Apple – kostenlos eine Gravur (mit Emoji, Text und/oder Zahlen – maximal vier Zeichen) möglich.

Apple AirTag | Foto © Apple
Apple AirTag | Foto © Apple

• Den notwendige Strom liefert eine handelsübliche CR2032 Knopfzelle. Die lässt sich flott wechseln (einfach Deckel vom AirTag abnehmen) und kostet ein paar Cent. Die Laufzeit wird mit bis zu einem Jahr angegeben. In der “Wo ist?”-App wird der aktuelle Akkustand angezeigt und es erscheint eine Warnung, sobald der Batteriestand zu niedrig ist.

• Die AirTags lassen sich über die “Wo ist?”-App lokalisieren. Der eingebaute Lautsprecher (leider sehr leise, aber in unmittelbarer Nähe hörbar) hilft dabei akustisch. Durch den eingebauten U1 Ultrabreitband-Chip (ab iPhone 11/12) lassen sie sich noch präziser (gegenüber Bluetooth) finden, denn es wird auch die Richtung angezeigt.
In der “Wo ist?”-App ist dafür neben “Personen” und “Geräte” der Bereich “Objekte” vorhanden.

AirTag verbinden & konfigurieren

• Jedem AirTag lässt sich auf Wunsch ein eigener Name und ein eigenes Emoji geben.

• Wer über Siri nach den AirTags suchen lassen will, der kann dies selbstverständlich tun.

• Ein AirTag lässt sich jederzeit in der “Wo ist?”-App wieder von der eigenen Apple ID entkoppeln. Zum Beispiel vor einem Verkauf oder Weiterschenken.

Was so alles nicht dabei ist

• Es ist keine Öse für einen Schlüsselanhänger vorhanden. Zur Freude des Zubehörmarkts. Apple selbst bietet diverse Schlüsselanhänger an – zu Preisen ab 35 Euro. Belkin startet zum Beispiel ab etwa 14 Euro. Und auf Amazon & Co. werden da sicherlich Massen an kostengünstigeren Produkten folgen. Ich nahm mir einen roten Lederanhänger von Apple sowie einen blauen Belkin dazu.

• Nicht vorhanden sind Benachrichtigung, wenn der Abstand zwischen AirTag und iPhone zu groß wird. Wenn ich beispielsweise den Autoschlüssel daheim vergesse.
Update 20.9.2021: Mit iOS 15 steht in der “Wo ist?”-App die neue Funktion “Beim Zurücklassen benachrichtigen” bereit. Wenn ich das für ein Gerät / ein Objekt aktiviere, dann werde ich jedes Mal informiert, wenn ich an einem unbekannten Ort von diesem getrennt werden. Festlegen lassen sich dabei vertrauenswürdige Orte, bei den ich nicht jedes Mal benachrichtigt werden will. Zum Beispiel Daheim.

• Es ist nicht möglich, AirTags in der Familienfreigabe zu teilen.

• Nicht dabei ist die umgekehrte Suche, d.h. ich suche z.B. mit dem AirTag mein iPhone. Geht mir allerdings nicht ab. Was dafür leiwand wäre, das wäre die Suche nach einem AirTag mit der Watch.

• Es stehen keine Widgets für den Homescreen bereit.

• Die “Wo ist?”-App für die Watch wäre ebenso eine feine Sache.

Zusatzfunktion: Das AirTag als NFC-Tag nutzen

Ich verwende daheim ein paar NFC-Chips, um Automatisierung im Smart Home umzusetzen. Dazu lässt sich auch ein AirTag nutzen. Als Zusatzfunktionen zum bestehenden Auffinden von Gegenständen. Der Ablauf ist einfach: Kurzbefehle-App öffnen. Auf “Automationen” tippen und danach rechts oben aufs “+”-Zeichen. Weiter geht’s mit “persönliche Automation erstellen” und dann beim Eintrag “NFC”. Nun das AirTag als NFC-Tag scannen und den neuen Tag benennen. Abschließend wird die gewünschte Aktion hinzugefügt und mit einer Bezeichnung versehen.

Der Ablauf in der Praxis und ein paar Worte zum Datenschutz

Geht mein Objekt mit einem AirTag verlustig, dann starte ich die “Wo ist?”-App und stelle den Modus auf “verloren” um, Wie bei jedem anderen Apple-Gerät. Wenn ein Gerät aus dem Netzwerk mein AirTag findet, bekomme ich automatisch eine Meldung. Wenn Nutzer einen AirTag finden, nachdem sie den (sehr leisen) Ton (hoffentlich) gehört haben, können meine Kontaktdaten durch Tippen aufs AirTag mit jedem NFC-fähigen Smartphone (das kann auch ein Androide sein) abgerufen werden. Derzeit erfolgt die Kontaktaufnahme via Telefonnummer, aber iOS/iPadOS 14.6 alternativ auch über eine E-Mail-Adresse.
Zum Nachlesen: Persönliche Objekte mit “Wo ist?” im Auge behalten

So funktioniert’s technisch. Mein AirTag sendet eine anonyme, verschlüsselte Bluetooth-Kennung (ändert sich häufig. damit keine Ort-zu-Ort-Verfolgung stattfinden kann) aus, die Geräte aus dem “Wo ist?”-Netzwerk erkennen können, wenn sie in der Nähe sind. Diese Geräte schicken dann den Standort meines AirTags an die iCloud und ich sehe den Standort auf der Karte in der “Wo ist?”-App.

AirTag in der Wo Ist? App finden

Wenn ein AirTag für eine gewisse Zeit von mir als Person, die ihn registriert hat, getrennt wird, dann ertönt automatisch ein Alarm-Ton. Diese Trennungszeit liegt derzeit bei drei Tagen – das wird Apple über ein Update ändern – auf zufällig zwischen acht und 24 Stunden.

Kann mich jemand mit einem AirTag verfolgen? Wohl nicht, denn das iPhone warnt mich mit der Benachrichtigung “AirTag bei ihnen gefunden”, wenn es einen AirTag entdeckt, der nicht mit meinem Gerät oder einem anderen iPhone in der der Nähe gekoppelt ist.
Wenn ich so feststelle, dass ein unbekannter AirTag länger mit mir unterwegs ist, dann kann ich diesen über die “Wo ist?”-App orten und deaktivieren.

Am AirTag ist die eindeutige Seriennummer aufgedruckt. Damit könnte Apple den Besitzer ermitteln. Denn diese Nummer wird während der Ersteinrichtung mit der Apple ID verknüpft.

Nur ich kann sehen, wo mein AirTag ist. Weder Standortdaten noch der Verlauf werden auf dem AirTag gespeichert. Alle Geräte, die Standort­daten von meinem AirTag weiterleiten, bleiben ebenfalls anonym. Die Standort­daten sind bei jedem Schritt der Über­tragung ver­schlüsselt.

Apple AirTag & Leder-Schlüsselanhänger | Foto © Helmut Hackl
Apple AirTag & Leder-Schlüsselanhänger | Foto © Helmut Hackl

Was passiert wenn ich den AirTag verliere und der Finder nicht ehrlich ist? Dann ist er leider weg. Allerdings kann der Finder damit auch nichts anfangen, denn er lässt sich so nicht neu mit einem anderen Gerät koppeln.

Was passiert, wenn sich viele AirTags “treffen” – beispielsweise im Zug oder auf Veranstaltungen? Die Benach­richtigungen werden nur dann aktiviert, wenn das AirTag nicht mehr in der Nähe seines Besitzers ist.

Apple AirTag – mein Fazit

So ein Apple AirTag ist kein richtiger “Diebstahlschutz”, sondern zum Wiederfinden von verlegten Gegenständen. Ich verwende meine vier AirTags so: Autoschlüssel, Elektroroller-Schlüssel, AirPods (elago Snapshot Case, I-Clip Wallet. Für mich zählt dabei eine einzige Funktion: Wenn ich das Objekt mit dem AirTag verliere, dann zähle ich beim Wiederfinden auf die riesige Apple-Community. Dann hätte sich der Kauf gelohnt.

Bei Interesse: Der Preis für ein AirTag liegt bei 35 Euro, ein 4-er Pack kostet 119 Euro, d.h. 27,50 Euro pro Stück. In Aktionen gibt’s das 4er-Pack um unter 100 Euro.
So nebenbei: Eine Alternative zu den AirTags ist der Chipolo ONE Spot. Der besitzt zwar keinen U1-Chip, hat dafür ein Loch und einen viel lauteren Lautsprecher. So einen habe ich auch. Den setze ich flexibel ein – z.B. am Rucksack auf Kulinarikreisen.

3 Kommentare

  1. Wenn ich den Airtag auf Verloren stelle, weil mir mein Rucksack gestohlen wurde, wird dann der Dieb darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm ein fremder Airtag folgt?

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