Apple Music bietet seinen Abonnenten ohne Mehrkosten neben AAC auch Lossless-Audio – fein wenn der Unterschied (noch) gehört wird

Lossless Audio in Apple Music

Ich habe seit langer Zeit ein Jahresabo von Apple Music. Jetzt wurde das Angebot erweitert: Der Musik-Katalog steht nun auch in Lossless-Formaten bereit. Ohne zusätzliche Kosten. Nach dem Motto “Musikhören soll Spaß machen” bedeutet das für mich folgendes …

Apple Music bietet für seine Abonnenten den Musik-Katalog zusätzlich zu AAC auch in Lossless-Audio (ALAC) an. Ohne Aufpreis zu den aktuellen Abo-Kosten. Zum Start stehen ungefähr 20 Millionen Songs bereit. Die Differenz zu den vollen 75 Millionen Songs soll bis Ende des Jahres aufgefüllt sein.

Zum Auftakt ein bisserl Theorie

AAC (256 kbps) oder MP3 (320 kbps) klingen schon ganz gut, obgleich sie stark komprimiert sind. Individuell wohklingende Kopfhörer vorausgesetzt. Bekundet wird oft, dass beim “Blindhören” viele Menschen eh kaum Unterschiede tatsächlich entdecken. Doch wie sieht es von den Zahlen her mit der Übertragung von Lossless-Audio aus. Mir wurde das so erklärt:

Es gibt eine Formel, mit der sich leicht die benötigte Datenübertragungsrate für Lossless berechnen lässt: Bandbreite in kBit/s = Bitrate x Abtastfrequenz x Anzahl der Kanäle. Ausgerechnet schaut dies dann so aus:
• CD: 16-Bit x 44.1 kHz x 2 Kanäle = 1.411 kbps
• Lossless: 24-Bit x 48 kHz x 2 Kanäle = 2.304 kbps
• Hi-res Lossless: 24-Bit x 192 kHz x 2 Kanäle = 9.216 kbps

Anhand dieser Formel ist auch gleich ersichtlich, wie stark die Codecs komprimieren:
• Apple AAC: 256 kbps (maximal 16-Bit / 48 kHz)
• Qualcomm aptX: 354 kbps (16-Bit / 48 kHz)
• Qualcomm aptX HD: 576 kbps (24-Bit / 48 kHz)
• Sony LDAC: 990 kbps (24-Bit / 96 kHz)

Das heißt: aptX HD und LDAC liefern zwar eine höhere Qualität, aber kein Lossless. Lossless klappt (derzeit) ausschließlich über Kabel. Aber das ist alles ohnehin Theorie, wenn man den Unterschied nicht (mehr) hört oder fühlt. Aber man erhält vielleicht andere Mischungen, die anders klingen. Und auch das persönliche Empfinden kann eine wichtige Rolle einnehmen.

Lossless Audio in Apple Music

Status quo zusammengefasst
• Lossless wird nicht über Bluetooth übertragen und ist somit mit keinem der aktuellen AirPods nutzbar.
• Ein Kopfhörer, der ALAC unterstützt, muss per Kabel am iPhone / iPad angesteckt sein.
• Die AirPods Max können auch per optionalem Lightning-Kabel betrieben werden. Laut Apple wird hier kein Lossless übertragen. Es erfolgen dabei – wenn ich es korrekt verstanden habe – nachträgliche Umwandlungen. Es ist mir nicht bekannt, ob das über ein anderes Kabel mit DAC realisierbar wäre. Kein Ruhmesblatt für Apple.

Angekündigt
Bekundet ist schon, dass es mit HomePod 15 möglich sein wird, Lossless-Audio über AirPlay an die HomePods zu übertragen. Das wird aus meiner Sicht auf diesen Lautsprechern klanglich allerdings keinen Unterschied zu AAC machen und somit stelle ich es in die Ecke Marketing.
Auch bei AirPlay 2 soll es noch die Einschränkung geben, dass Audio-Streaming auf 16-Bit / 48 kHz limitiert ist. Das sollte aber mit einem Update änderbar sein, denn eine hohe Bandbreite ist hier nicht das Problem – wenn sie stabil ist.

Gerüchteküche
Eine Gerücht besagt, dass Apple sich an Sony’s LDAC orientieren könnte und als Update einen weiteren Codec liefert. So eine Art “ALAC über Bluetooth” mit 990 kbps (24-Bit / 96 kHz). Ein guter Kompromiss und klanglich sicherlich noch besser als AAC. Wenn man den Unterschied (noch) hört. Ich lasse mich da überraschen.

Lossless-Audio in ALAC, zwei Auflösungen, reichlich Daten

Lossless wird – optional aktivierbar – zusätzlich zu AAC (mit 256 kbps) angeboten. Als Format wird ALAC (Apple Lossless Audio Codec) verwendet – vergleichbar mit FLAC. Wählbar sind zwei Auflösungen:
• 24-Bit / 48 kHz – Lossless
• 24-Bit / 192 kHz – High-Resolution Lossless

Lossless lässt sich nativ auf Apple-Geräten abspielen, für Hi-Res Lossless ist zusätzlich noch ein externer USB-DAC (Digital-to-analog Converter) notwendig. ich verwende da einen iFi hip-dac.

Lossless Audio in Apple Music

Ausgewählt wird die Qualität in den Einstellungen unter “Musik” > “Audio” > “Audioqualität”. Getrennt nach mobiles Streaming, WLAN-Streaming und Downloads. Verfügbar ab iOS / iPadOS / tvOS 14.6 bzw. macOS 11.4. Bei den einzelnen Alben / Songs steht dann ein Logo dabei, das zeigt, welches Lossless-Format angeboten wird.

Lossless hat Einfluss auf die übertragenen Daten, den benötigten Speicherplatz. Als Anhaltspunkt: Ein 3-Minuten-Song in AAC hat rund 6 MB, Lossless etwa 36 MB, Hi-Res Lossless ungefähr 145 MB.

Apple Music Lossless-Audio – mein weiterer Weg

Bei allen “Blindtest” war das Ergebnis pure Raterei. Das heißt: Lossless-Audio ist meinem Gehör leider offenbar powidl (egal). Ich höre keinen klaren Unterschied – aus welchen Gründen auch immer. Ist aber auch kein Haxenbruch, denn mir bereitet das Musikhören über gute Kopfhörer (meistens ein Denon AH-D5200) auch in AAC-Qualität Vergnügen.

P.S. Mit dem Mimi Hörtest lässt sich das Audiogramm u.a. der AirPods ändern. Für mein Gehör brachte dies einen bemerkenswerten Qualitätsgewinn.

6 Kommentare

    1. Mit diesen Spaßmacher Bluetooth-Kopfhörern via Kabel höre ich ebenso keinen Unterschied. Sobald Apple Music Lossless freischaltet, probiere ich es nochmals mit einem “ordentlichen” HiRes-Kopfhörer an einem DAC aus. Ich bin schon neugierig, ob ich dann bewußt einen Unterschied in manchen Genres (z.B. Jazz, Klassik, …) höre. Ich horchte da schon einige Kopfhörer zur Probe und die Unterschiede sind teilweise gewaltig.

      1. Korrekt – hab inzwischen Mal kabelgebundene AKG angeschlossen. Trotz des weit niedrigeren Preises hört man da einen Unterschied. Noch dazu inzwischen einen FiiO Q3 zwischengeschaltet, nächste Woche wird das Ganze dann mit Sennheiser HD 660 S versucht.

        Es klingt DEUTLICH besser (auch wenn BT-Kopfhörer unterwegs ihre Berechtigung haben und bei mir weiter verwendet werden).

        1. Ich werde das künftig auch so machen: Bluetooth hauptsächlich für unterwegs und Kabel + DAC für daheim.

          Sennheiser 660s ist eine gute Wahl. Den hörte ich auch kürzlich und war sehr angetan. Aber als offener Kopfhörer leider für meine Nutzung nicht verwendbar.

          1. Bin schon beim Schreiben – erscheint am 21. Juni. Kann jetzt schon bekunden, dass mir der mobile, akkubetriebene iFi hip-dac zusagt.

            Wenn Du dazu Fragen hast, kannst Du mir auch gerne direkt ein E-Mail schicken.

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