Machte Riesenspaß: Bimie Grazie Sport – meine erste Probefahrt mit solch einem flotten Elektroroller

Bimie Grazie Sport Elektroroller | Foto © Helmut Hackl
Bimie Grazie Sport Elektroroller | Foto © Helmut Hackl

Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich von meiner “benzinernen” Vespa auf einen Elektroroller umsteigen soll. Somit wurde es Zeit für den initialen Schritt: Die erste Probefahrt mit solch einem flotten Gefährt, einordbar in die 125er-Klasse. Um es gleich vorweg zu bekunden: Ich hatte riesigen Spaß daran …

Der Abschied von meiner Vespa GTS Super ist ein emotionales Vorhaben. Denn die ist schon ein elegantes Gefährt, von dem ich mir sehr schwer trennen kann. Aber als weiteren kleinen Beitrag zur Erhöhung der Luftqualität und Reduktion von Lärm wäre es and der Zeit beim Motorroller vom Verbrenner auf Elektro umzusteigen.

Meine technischen Voraussetzungen an einen Elektroroller sind klar definiert:
• Maximal 11 kW (15 PS) Leistung, damit ich ihn mit dem B111 fahren darf.
• Eine Höchstgeschwindigkeit ab 70 km/h – um in der Stadt kein Hindernis zu sein.
• Eine realistische Reichweite von zumindest 70 Kilometern mit einer Vollladung.
• Ein herausnehmbarer Akku mit einem Gewicht von höchstens 25 (lieber 20) Kilogramm – ich muss ihn dann regelmäßig von der Garage über einige Stiegen in die Wohnung sowie retour tragen.

Da Bikemite, eine auf Elektroroller spezialisierte Wiener Firma, bei mir um’s Eck ist, machte ich mir einen Termin für eine Probefahrt aus. Angeboten wird dort eine Auswahl an unterschiedlichen Marken wie beispielsweise Askoll, Bimie, Horwin, Silence, Niu oder Vässla. Alle Modelle, Daten, Ausstattungen, Preise, Förderungen, persönliche Erfahrungsberichte, Tipps sowie Videos von Ausfahrten stehen auf der Website von Bikemite. Von dort holte ich mir viele nützliche Informationen.

Meine Eindrücke von der ersten Fahrt mit solch einem Elektroroller

Für meine Testfahrt wurde mir eine Bimie Grazie Sport WR3 zur Verfügung gestellt. Diese Marke importiert Bikemite exklusiv für Österreich aus China. Meine Eindrücke beziehen sich hauptsächlich auf dieses Modell, das derzeit um 4.150 Euro erhältlich ist.

Beschleunigung, Durchzug

Der Motor meiner Vespa GTS Super leistet 11 kW (15 PS) – die maximale Leistung, die ich mit dem B111 Zusatz fahren darf. Für mich als Stadtfahrer völlig ausreichend. Die Bimie Grazie Sport liefert bis zu 7 kW (knapp 10 PS) Leistung, ist um etwa 50 Kilo leichter und hat einen starken Elektroantrieb.

Was ich gleich nach ein paar Minuten im Stadtverkehr bekunden konnte: Beschleunigung und Durchzug sind für die vorhandene Leistung beeindruckend. Bis 50 km/h zischt das Ding ordentlich ab – Bikemite gibt gestoppte 4,5 Sekunden an. Und danach geht’s bis 90 km/h munter weiter. Jede kleinste Drehung am Gasgriff wird sofort in Beschleunigung umgesetzt. Selbst eine 300er Vespa hängte mich nicht stark von der Kreuzung ab. Das stimmte mich schon mal positiv.

Die Umgewöhnung auf Elektro klappte ruckzuck. Das betrifft hauptsächlich das etwas anders arbeitende Bremssystem (linker Bremshebel für beide Bremsen) und es steht Rekuperation bereit. Beides problemlos.

Akku

Der WR3 ist der derzeit stärkste, aber mit etwa 21,5 kg auch der schwerste Akku für die Grazie. Er liefert eine Reichweite von bis zu 80 Kilometer mit einer Akkuladung und eine Höchstgeschwindigkeit von ungefähr 90 km/h.

Bimie Grazie Sport Akku | Foto © Helmut Hackl
Bimie Grazie Sport Akku | Foto © Helmut Hackl

Da der Elektroroller in einer Gemeinschaftsgarage parkt, wo leider kein Stromanschluss bereit steht, probierte ich gleich aus, wie sich der Transport anfühlt. In Summe etwa 50 Schritte und 30 Stufen. Gut, dass ich regelmäßig Krafttraining mache. Viel schwerer möchte ich nicht dauernd schleppen.

So nebenbei: Es gibt für den WR3 Akku optional auch einen 2h-Schnelllader. Kostet 540 Euro.

Geräuschpegel

Was mir sofort taugte, das war die angenehme Ruhe beispielsweise beim Dahingleiten, in der Garage oder beim Stehen vor Ampeln. Kein Lärm vom Auspuff. Wohltuend nicht nur für mich, sondern auch für die Umgebung. Mehr Obacht gehört allerdings auf Fußgänger gelegt, denn der Elektroroller kommt fast geräuschlos daher.

Wohlfühlfaktor

Von der Vespa bin ich schon sehr verwöhnt, was den Wohlfühlfaktor angeht. Auf der sitze ich komfortabel und die Handhabung ist wunderbar. Ein ganz wichtiger Punkt für mich. Was ich zur Grazie sagen kann: Verarbeitung, Fahrkomfort und Sitzposition kommen nicht an die Vespa heran. Es ist halt hauptsächlich Kunststoff. Das erwartete ich aber schon vorher und ich kann damit leben.

Wie ich beim Umstieg auf Elektro weitermache

So ein Elektroroller taugt mir in Summe als Fortbewegungsmittel in der Stadt. Ich werde deshalb meine Vespa – hat erfreulicherweise einen stabilen Wiederverkaufswert – verkaufen. Um den Erlös finanziere ich dann gleich die Anschaffung des Elektrorollers. Zeitdruck habe ich dabei keinen, da die Rollersaison für mich eh bald endet (ich bin ein über 18°C-Schönwetterfahrer) und somit Zeit bis ins kommende Frühjahr ist.

Noch ein paar abschließende Worte zur Produktauswahl. Die Bimie Grazie Sport gefiel mir schon ganz gut. Ich würde aber dennoch zur Grazie Race WR3 tendieren, denn die beschleunigt noch besser (ca. 3,2s auf 50 km/h) und deren Spitzengeschwindigkeit von 75 km/h genügt mir vollauf. Damit putzt er locker eine 300er Vespa und sogar den stärkeren Silence 01 Elektroroller. Das ist schon beeindruckend für die paar kW, die der Motor liefert.
Jetzt freue ich mich schon auf die nächste Probefahrt mit dem hoffentlich noch heuer verfügbaren Horwin EK3 Deluxe. Denn zwischen den beiden Elektrorollern wird meine Entscheidung fallen. Bericht folgt.

4 Kommentare

    1. Achtung: Die Angaben für die Reichweite sind unter Idealbedingungen. Da schaffen z.B. der Bimie oder die Horwin auch mit einem Akku um die 100 km herum.

      Made in Germany – Ja, aber das muss in diesem Falle kein Pluspunkt sein. Die Chinesen haben da bei Elektrorollern leider Jahre praktischen Vorsprung.

      Um es nicht falsch zu verstehen: Der Kumpan wäre auf meiner Entscheidungsliste ganz weit oben angesiedelt. Er bietet mir jedoch leider keinen Vorteil, der diesen hohen Aufpreis gegenüber Bimie, Horwin & Co. rechtfertigen würde.

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