De’Longhi PrimaDonna Soul Vollautomat mit “Bean Adapt” – Marketing oder schmeckt der Kaffee dadurch “besser”?

De'Longhi PrimaDonna Soul Vollautomat mit "Bean Adapt" | Foto © Helmut Hackl
De’Longhi PrimaDonna Soul Vollautomat mit “Bean Adapt” | Foto © Helmut Hackl

Wenn ein Kaffeevollautomat verspricht, dass er die Zubereitung auf die Bohnensorte anpassen kann, dann macht mich das neugierig. Deshalb holte ich mir probeweise eine PrimaDonna Soul von De’Longhi. Denn ich wollte wissen, was wirklich hinter “Bean Adapt” steckt und ob ich einen Unterschied schmecke …

Von De’Longhi probierte ich in den letzten Jahren schon einige Kaffeemaschinen aus. Zuletzt die La Specialista (Siebträger mit Kaffeemühle, Tamperstation und einem Hauch Vollautomat) und die Maestosa (der mächtigste Kaffeevollautomat, den ich bisher testete). Diesmal war es die PrimaDonna Soul. Denn die verspricht, dass sie die Zubereitung von Kaffee an die Bohnensorte anpassen kann. Zumindest ein bisserl. Aber dazu komme ich gleich.

Die PrimaDonna Soul ist ein Kaffeevollautomat mit allem Pipapo. Es stehen viele Zubereitungsarten auf Knopfdruck bereit und das bewährte LatteCrema System sorgt für den passenden Schaum. Die Bedienung erfolgt über einen 4.3″ großen Touchscreen. Der Wassertank fasst 2,2 Liter, der Bohnenbehälter bis zu 500g. Die Leistung liegt bei 1.450 Watt, der Puppendruck beträgt 19 Bar. Die Abmessungen sind ca. 26x49x39 cm, das Gewicht 11,4 kg. Alle weiteren Daten lassen sich im Detail auf der Soul-Produktseite nachlesen. Mir geht es in der folgenden Geschichte ausschließlich um die sogenannte “Bean Adapt Technology”.

Empfehlung: Hochwertige Bohnen bei handwerklichen Röstereien kaufen und nicht den grauslichen, billigen Massenkaffee.

Ein paar Worte zum Thema Vollautomat. Der ist ein guter Kompromiss für Kaffeetrinker, die es bequem sowie schnell haben wollen und auf Knopfdruck so ziemlich alle Varianten zubereiten können. Wer hauptsächlich Espresso trinkt, der wird eh bei einem Siebträger landen. Wer häufig unterschiedliche Bohnen verwenden will, der wird beim Wechseln auch nicht glücklich werden.

Bean Adapt Technology – die Besonderheit der Maschine

Um Bean Adapt nutzen zu können, ist das Anlegen eines Kontos bei De’Longhi Voraussetzung. Ebenso wie das Vorhandensein eines WLANs. Außerdem muss die Maschine aufgedreht und mit der App verbunden sein, damit man darin etwas machen kann.

Zuerst gehört die “Coffee Link”-App am Smartphone installiert, denn die ist Voraussetzung für diese Funktion. Die App steht kostenfrei fürs iPhone und für Android bereit. Für die Erstinstallation empfehle ich viel Geduld, es wird manchmal zwischen Deutsch und Englisch gehupft, es gibt Verbindungsprobleme, die FAQs sind “fürn Hugo” und die Geschwindigkeit ist manchmal gähnend. Die ganz schlechten Bewertungen in den beiden App Stores belegen, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin. Aber egal, das ist für diesen Test nicht von Bedeutung.

Nach erfolgreicher Verbindung über WLAN kann es auch schon mit der Theorie rund um Bean Adapt losgehen. Das vollmundige Versprechen von De’Longhi: Nach Angabe der Kaffeemischung und des Röstgrads in der App werden automatisch der Temperatur, der Mahlgrad und das Aroma anpasst.

Bean Adapt in der De'Longhi Coffee Link App

Zuerst sind in der App zwei Fragen zu beantworten:
• Kaffeemischung: 100% Arabica oder Arabica & Robusta (100% Robusta fehlt)
• Kaffee-Röstgrad: leicht (hell), mittel, mitteldunkel, dunkel
• Danach gibt man der Mischung einen Namen (auf 15 Zeichen limitiert) und auf Wunsch lässt sich auch ein Bild hinzufügen.

Bean Adapt in der De'Longhi Coffee Link App

Ist das erledigt, so wird das Ergebnis angezeigt. Nach dem Speichern erscheint dies auch – mit einiger Verzögerung – am Bildschirm der Soul.

Doch was sind jetzt die Unterschiede der einzelnen Varianten. Ich schaute mir alle acht Möglichkeiten an, um die Abweichungen zu bekommen. Die drei angegebenen Werte sind für Temperatur / Mahlgrad / Aroma:
• Arabica leicht: hoch / mittel / stark
• Arabica mittel: hoch / mittel / stark
• Arabica mitteldunkel: mittel / mittel / mittel
• Arabica dunkel: mittel / mittel / mittel
• Arabica/Robusta leicht: hoch / mittel / stark
• Arabica/Robusta mittel: hoch / mittel / stark
• Arabica/Robusta mitteldunkel: mittel / mittel / mittel
• Arabica/Robusta dunkel: mittel / mittel / mittel

Zum Vergleich: Die Standardwerte der Maschine sind bei der Temperatur mittel (vorhanden sind niedrig, mittel, hoch, sehr hoch), beim Mahlgrad mittel und beim Aroma mittel. Diese lassen auch direkt am Vollautomat umstellen.

"Bean Adapt" auf der De'Longhi PrimaDonna Soul  | Foto © Helmut Hackl
“Bean Adapt” auf der De’Longhi PrimaDonna Soul | Foto © Helmut Hackl

Persönliche Anmerkung: Diese acht Möglichkeiten hätten auch gleich im Menü der Maschine aufscheinen können. Dazu bräuchte es keine App. Aber in Zeiten wie diesen wollen die Geräte smart sein und der Kunde soll unterhalten werden.

Dass Marketing und Praxis keine hohe Schnittmenge haben, das sollte eh klar sein. So auch hier. Was zuerst überaus verlockend klingt, wird schnell auf den Boden der Realität geholt. Denn “Bean Adapt” kennt lediglich zwei Einstellungen. Für hellere Röstungen hoch / mittel / stark und für dunklere Röstung mittel / mittel / mittel. Das heißt: Der Mahlgrad wird überhaupt nicht geändert, es wird lediglich die Temperatur leicht angepasst. Kaffee aus heller gerösteten Bohnen wird etwas heißer zubereitet und soll etwas intensiver schmecken.

De’Longhi PrimaDonna Soul – mein Fazit

Die PrimaDonna Soul ist ein leiwander Kaffeevollautomat, an dem sicherlich viele Nutzer ihre Freude haben werden. Bean Adapt halte ich persönlich – zumindest in dieser Form – für entbehrlich. Vielleicht kommt da künftig in der App noch was, denn die Elektronik dafür wäre vorhanden.

Bei Interesse: Es stehen zwei Ausführungen der Maschine zur Auswahl. Der Preis liegt bei knapp 1.400 Euro.

2 Kommentare

  1. „Ob ich wirklich einen Unterschied schmecke.“
    Diese Frage bleibt leider oder Gott sei Dank unbeantwortet.
    Es ist bitter feststellen zu müssen wie sich die Welt immer mehr vom technisch Sinnvollen zum absolut Nutzlosen verändert. Die notwendigen Schritte die Sie vor Ingebrauchnahme des Gerätes beschreiben lassen mich Hohnlachen. Und wenn sich eine italienische Firma auf den Sektor IT bewegt kann es grundsätzlich nicht klappen.
    Kaffee Grüße
    Jürgen

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