[Update] Baba Benzin, Servus Strom: Horwin EK3 – mein neuer Elektroroller

Horwin EK3 Elektro-Roller | Foto © Helmut Hackl
Horwin EK3 Elektro-Roller | Foto © Helmut Hackl

Ich verkaufte dieser Tage meine Vespa, um auf einen Elektroroller umzusteigen. Baba Benzin, Servus Strom. Nach einigen Probefahrten entschied ich mich für den EK3 von Horwin, eine austro-chinesische Marke mit Sitz im heimischen Kammersdorf …

Bei einem Elektroroller waren/sind für mich drei Sachen kaufentscheidend: Er muss aus der 125er Klasse (maximal 15 PS / 11 kW) sein, damit ich ihn mit dem B111 fahren darf. Er muss mindestens 70 km/h schnell sein – damit ich in der Vorstadt kein Hindernis bin. Der Akku muss entnehmbar sein, darf maximal 20 kg wiegen und sollte in der Stadt eine realistische Reichweite von 70 Kilometer aufwärts liefern. Dies erfüllt der Horwin EK3.

Der Start war leider sehr holprig, aber die Probleme wurde – hoffentlich – gelöst
Die erste Erfahrung war leider gleich negativ. Nach exakt 14 Kilometer gab die Elektronik den Geist auf. Kompletter Stillstand. Zufälligerweise fuhr Arno von Bikemite gerade zurück ins Büro und schleppte den Roller gleich ab. Der Horwin-Support machte danach ein Software-Update. Das brachte aber keinen Erfolg. Nach zwei Kilometern blieb der Roller wieder stehen. Der bemühte Horwin-Support diagnostizierte nun, dass der Fehler vermutlich beim Akku, bei der Akkuspannung liegt. Deshalb wurde der Akku getauscht. Mit dem neuen Akku machte ich gleich eine Ausfahrt. War aber eine kurze Runde, denn der Roller hatte nach wenigen Kilometern den selben Fehler. Danach wurde der Controller getauscht. Damit scheint das Problem gelöst sein, denn seit dem Tausch fährt der EK3 tadellos. Es gab da noch ein Problem mit der Fernbedienung, dem Ein/Ausschalter und der Alarmanlage. Das wurde auch komplett getauscht und funktioniert bisher wieder. Ich hoffe, das war’s für die nächsten Jahre!

Horwin EK3 Elektro-Roller | Foto © Helmut Hackl

Beschleunigung, Durchzug, Höchstgeschwindigkeit, Bremsen und Fahrmodi

Der Elektromotor (ein von Horwin entwickelter DC-Mittelmotor) hat eine Spitzenleistung von 6,2 kW (ca. 8,4 PS – 3,5 kW Nennleistung). Der Antrieb erfolgt über eine Kette. Was mir taugt, das ist das sanfte Surren während der Fahrt. Finde ich persönlich passend zu einem Elektroroller – aber das ist Geschmackssache.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ungefähr 95 km/h, die Beschleunigung von 0-60 km/h wird mit 6 Sekunden angegeben – beides für mich mehr als ausreichend. Zur Auswahl stehen drei Fahrmodi: 45 km/h, 75 km/h und 90 km/h – jeweils mit unterschiedlichem Ansprechverhalten. Bei der untersten Stufe geht’s sehr gemütlich zu. In der Stadt wechsle ich da meistens zwischen Modus 2 (spart ein bisserl Strom) und 3 – je nach Bedarf.

Horwin EK3 Akku | Foto © Helmut Hackl
Horwin EK3 Akku | Foto © Helmut Hackl

Vorhanden sind hydraulische, wohldosierbare Scheibenbremsen (CBS Öl-Kombisystem) vorne (14″ Räder) und hinten (13″ Räder). Jeweils mit doppelt hydraulischen Stoßdämpfern. Aufgezogen sind Vakuumreifen, d.h. mit Notlaufeigenschaften und einer längeren Lebensdauer.

Fahrkomfort, Verarbeitung, Abmessungen und Gewicht

Der Fahrkomfort ist für meine Größe (182cm) angenehm, wenngleich nicht so komfortabel wie bei meiner vorherigen Vespa. Leichte Unebenheiten werden durch die vier Stoßdämpfer aber ganz gut “gebügelt”. Obgleich ich damit eh keine “größeren” Distanzen zurücklegen werde, wäre das wohl möglich. Die Abmessungen betragen 1.900×1.130×690 mm, die Sitzbankhöhe liegt bei 780 mm. Das Gesamtgewicht inklusive einem Akku beträgt etwa 114 Kilogramm, Die zusätzliche Nutzlast wird mit ca. 170 kg angegeben.

Positiv sehe ich auch das Handling und das geringe Gewicht. Leiwand: Wenn der Blinker betätigt ist, dann wird dies – wie im Auto – akustisch untermalt. Somit ist ein Vergessen schon unwahrscheinlicher. Manchmal sind es solche Kleinigkeiten, die dann für mich so praktisch sind.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch: Die Stangen der beiden Spiegel sind sehr kurz geraten. Da sehe ich kaum an meinen Schultern vorbei, was sich hinter mir abspielt. Deshalb kaufte ich beim Louis gleich zwei neue runde Spiegel mit Kugelgelenk (8mm, Rechtsgewinde, mit “E” Prüfzeichen, um je ca. 10 Euro) und montierte sie. Super, jetzt sehe ich links und rechts an meinen Schulter vorbei.

Horwin EK3 Anzeige
Horwin EK3 Anzeige

Die Verarbeitung passt, denn während der Fahrt klapperte fast überhaupt nichts. Lediglich das magnetische Ablagefach vorne meldet sich bei stärkeren Unebenheiten.

Klar ist auch: Plastik dominiert. Was fehlt, das ist eine ordentliche Bodenmatte. Abgesehen von möglichen Kratzern verschmutzt dort das Plastik sehr. Bei der Deluxe-Version ist die dabei und für die Standard-Version lässt sie sich nachrüsten. Was ich auch gleich machte.

Angelassen wird automatisch über einen elektronischen Schlüssel. Als zusätzlicher “Gag”: Zum Starten (und Abstellen) einfach über den Bildschirm streichen. Der Schlüssel mit Fernbedienung kann den Roller nicht nur starten, sondern auch Ausschalten und Verriegeln. Die Fernbedienung könnte aber viel kleiner sein. Bräuchte ich aber alles nicht. Ein Schlüssel hätte auch genügt.

Horwin EK3 Elektro-Roller | Foto © Helmut Hackl

Herausnehmbarer Akku – Leistung, Reichweite und Handhabung

Der Lithium-Ionen Akku (von Samsung) ist entnehmbar und wiegt ungefähr 19 Kilogramm. Seine Leistung: 72V, 40Ah, ca. 2,9 kWh Kapazität. Damit sollen laut Produktseite bis zu 100 km Reichweite drinnen sein – unnötiges Marketing Bla-Bla. Realistisch sind das zwischen 40 und 70 km herum – in der Stadt mehr, Überland und mit Spaßfaktor weniger. Für den “kleinen” Akku dennoch ganz ordentlich. Bei weniger als 20% Restkapazität blinkt eine rote LED. Die volle Leistung steht dabei bis ca. 30% Restkapazität bereit, danach wird etwas und ab 5% stark gedrosselt. Die maximale Ladedauer des Akkus beträgt 4 Stunden.

Ein Kritikpunkt betrifft das Ladegerät: Das bläst ordentlich laut beim Laden – wie ein Föhn. Wenn der Ladevorgang abgeschlossen ist, schaltet sich automatisch das Gebläse aus. Das hört man sogleich in der Wohnung.

Horwin EK3 - Akku & Ladegerät | Foto © Helmut Hackl
Horwin EK3 – Akku & Ladegerät | Foto © Helmut Hackl

Ein SOC-Überwachungssystem sowie Batterie-Managementsystem bieten Schutz vor Überladung, Entladung, Überspannung, Kurzschluss. Zudem wird die Temperatur überwacht. Versprochen werden mehr als 1.000 Ladezyklen ohne nennenswerten Verlust.

Bei Bedarf ist Platz für einen zweiten – optional um etwa 800 Euro erhältlichen – Akku. Den kaufte ich mir gleich dazu. Sicher ist sicher und der Preis dafür tadellos. Hinweis: Beide Akkus lassen sich nicht gleichzeitig anschließen. Was aber kein Problem ist: Kurz stehenbleiben und umstecken. Ist ruckzuck erledigt. Für mich ist das nicht nur beruhigend ob der größeren Reichweite, sondern ich habe so auch immer einen voll geladenen Akku parat. Und ich muss nicht dauernd überlegen, wie weit ich mit der Restkapazität noch komme. Ob ich dann mit einem oder mit beiden Akkus unterwegs bin, entscheide ich nach Bedarf.

Horwin EK3 Elektro-Roller | Foto © Helmut Hackl
Horwin EK3 Elektro-Roller | Foto © Helmut Hackl

Was so alles an Ausstattung dabei ist

• Unter dem Sitz ist ein Staufach. Ein kompakter Jethelm (z.B. mein Shoei J.O) findet knapp Platz – bei einem Akku. Wenn ein zweiter Akku drinnen ist, dann bleibt kaum Stauraum übrig.

Shoei J.O Jethelm im Horwin EK3 | Foto © Helmut Hackl
Shoei J.O Jethelm im Horwin EK3 | Foto © Helmut Hackl

• Am LC-Display werden die wichtigsten Informationen angezeigt. Zum Beispiel aktuelle Geschwindigkeit, Energieverbrauch, Akkustand, gefahrene Kilometer, Fahrmodus, Tempomat, Parken, Retourgang. Der Bildschirm ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch halbwegs gut ablesbar. Mein Wunsch wäre dennoch ein analoger Tacho. Und die Anzeige der Uhrzeit wäre auch noch ganz fein.

• Verbaut ist eine Voll-LED Beleuchtung mit “Coming Home”-Funktion (automatische Licht-Abschaltverzögerung) und Tagfahrlicht. Leuchtet sehr hell.

Horwin EK3 Kettenantrieb | Foto © Helmut Hackl
Horwin EK3 Kettenantrieb | Foto © Helmut Hackl

• Praktisch sind der Rückwärtsgang, der Tempomat (den aktiviere ich ganz gerne in 30er-Zonen), die Warnblinkanlage und die USB-Buchse zum Laden des Smartphones. Mit dabei ist auch ein – lautes – Diebstahl-Warnsystem. Da finde ich schade, dass ich die nicht deaktivieren kann. Die ist für mich zu sensibel eingestellt und geht flott los. Der Stromverbrauch durch die Alarmanlage ist zu vernachlässigen, wenn der Elektroroller ein paar Tage steht.

• Kleiner Zusatztipp: Nehmt bei der Montage der Kennzeichenhalterung zwei extra Beilagscheiben. Die reduzieren die Vibrationen deutlich, da das Plastik ein Bruchstelle darstellen kann.

• Es sind mehrere Farben erhältlich: In der Standardversion stehen Rot, Weiß, Mattschwarz sowie Mattgrau zur Auswahl, bei Deluxe Grau oder Dunkelblau. Ich entschied mich für Rot.

• Neben einem zweiten Akku und der Fußmatte stehen auch noch Windschild, Rack, Top Case, Smartphone-Halter sowie GPS-Tracker auf der möglichen Zubehör-Liste.

• Bei der Ausstattung Deluxe gibt’s (kostet 200 Euro Aufpreis) sind zusätzlich eine Ledersitzbank, Lederhandgriffe, verchromte Außenspiegel, eine Fußmatte sowie Metallic-Lackierung dabei.

• Das User Manual ist/war auf Englisch. Es gibt aber auch eine deutsche Fassung, die ich auf Anfrage per E-Mail als PDF bekam.

• Service und Pickerl erledigen dann Bike Spezialisten, die ganz in meiner Nähe ihre Werkstatt haben.

Horwin EK3 – mein erstes Fazit

Ausreichend Leistung, umfangreiche Ausstattung, ansprechendes Aussehen, fairer Preis. Ich bin bisher mit meiner Entscheidung für den Horwin EK3 Elektroroller zufrieden. Auch wenn der Start ein überaus holpriger war. Ich freue mich schon auf viele schöne Ausfahrten.

Bei Interesse: Der Preis liegt derzeit bei 4.490 Euro (4.690 Euro für Deluxe) plus optional 800 Euro für einen zweiten Akku. Mit Förderungen günstiger. Ich kaufte ihn mir bei Bikemite, gleich bei mir um’s Eck.

17 Kommentare

  1. Hallo Helmut,
    Würde mich freuen, wenn du nach der Probefahrt kurz berichten würdest. Fahre nämlich aktuell auch eine LX125 und liebäugele als Nachfolgemodell
    mit einer elektro Variante.
    Gruß Uwe

  2. Man sollte erwähnen, dass Horwin EK3 über einen Mittelmotor mit Zahnriemen- bzw Kettenantrieb verfügt.
    Das hat gegenüber dem Nabenmotor seine Vor- und Nachteile:
    + Günstigere Gewichtsverteilung
    + Besseres Anfahrdrehmoment
    – mehr Reibungsverluste und Motorgeräusche
    – erhöhter Verschleiß bzw Wartungsaufwand

  3. Hallo Helmut,
    habe heute meine Horwin EK3 abgeholt.
    Nach 125km blieb ich stehen, nichts ging mehr. Weisst du schon woran es bei dir lag?
    Grüße Uwe

  4. Ich habe seit gestern meine EK3 (auch in Rot:-)). Bislang keine Probleme, knapp 40km sind schon auf dem Tacho. Die Leistung ist für mich (ca. 75 kg) mehr als ausreichend, insbesondere in Stufe 3 zieht er zügig hoch. Die meisten Autos verschwinden im Rückspiegel :-). Ich drücke Dir die Daumen, dass mit Deinem EK3 noch alles gut wird.

    Viele Grüße aus Deutschland, Clemens

      1. Ich drücke Dir die Daumen, dass nun alles gut ist. Mit meinem EK3 habe ich schon problemlos über 200 km abgespult – macht Spaß 🙂

        Grüße nach Österreich, und nun allzeit gute Fahrt!

      1. Wäre nett wenn du mir noch die Artikelnummer oder ähnliches postest.
        by the way: bei deiner EK3 nun alles in Ordnung oder immer noch am Fehlersuchen?

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