Klappbares Gimbal gekauft, da ich wieder Lust am Filmen mit dem Smartphone habe

VLOG pocket Gimbal | Foto © Helmut Hackl
VLOG pocket Gimbal | Foto © Helmut Hackl

Seit ich mir vor ein paar Wochen ein iPhone 11 zulegte, begann ich mich wieder mit Videos zu beschäftigen. Daher machte ich mich auf die Suche nach einem faltbaren Gimbal, damit die Aufnahmen weitestgehend ohne Verwackler sind. Meine Voraussetzungen für den Stabilisator: Er muss möglichst kompakt sein. Er muss leicht sein. Und er muss einwandfrei ohne App des Herstellers funktionieren …

Da mir das Filmen mit dem iPhone 11 unheimlich viel Spaß bereitet, werde ich das künftig – zum Beispiel auf meinen Kulinarikreisen – öfters machen. Da darf dann selbstverständlich ein kompaktes Gimbal (auf Deutsch: kardanische Aufhängung) nicht fehlen, um Verwackler weitestgehend zu minimieren. Das Budget legte ich mit maximal 100 Euro fest. Zwei Modelle solch eines 3-Achsen-Stabilisators schafften es in meine Endauswahl: VLOG pocket von FeiyuTech und Osmo Mobile 3 von DJI. Ich entschied mich fürs VLOG Gimbal, da es um einiges kompakter und leichter als das Teil von DJI ist. Denn das waren für mich die wichtigeren Kriterien. Und so verzichtete ich im Gegenzug beispielsweise auf Joystick-Steuerung, Bluetooth 5 und Laden via USB-C – für meine gewünschte Hobby-Nutzung durchaus entbehrlich.

VLOG pocket Gimbal | Foto © Helmut Hackl
VLOG pocket Gimbal | Foto © Helmut Hackl

Die wichtigsten Eckdaten des VLOG pocket Gimbal

• Das Gimbal ist mit ungefähr 281 Gramm (nachgewogen) angenehm leicht. Die Abmessungen liegen bei etwa 242x91x67 mm und im zusammengeklappten Zustand sind es lediglich zirka 146x56x109 mm. Somit bestens transportabel und für meine Hände noch gut bedienbar.

• Als Material wird hauptsächlich Kunststoff verwendet. Der schaut wertig aus und fühlt sich gut. Zwei Kritikpunkte: Der glatte Griff ist ziemlich rutschig – besonders wenn die Hand im Sommer schwitzt. Die schwarze Oberfläche ist anfällig für Kratzer. Was noch erwähnt gehört: Sand, Staub und Wasser gehören gemieden.

• Die Verbindung mit dem Smartphone erfolgt über Bluetooth 4.1. Bluetooth 5.0 wäre zwar aktueller, aber in diesem Fall kein unbedingtes Muss. Die Verbindung zum iPhone ist bisher auch damit stabil.

VLOG pocket Gimbal | Foto © Helmut Hackl
VLOG pocket Gimbal | Foto © Helmut Hackl

• Fix verbaut (somit leider ein Wegwerfprodukt) ist ein Akku mit einer Kapazität von 1.300 mAh. Aufgeladen wird er via Micro-USB (USB-C wäre mir lieber gewesen, aber das ist kein Haxenbruch), was in maximal zwei Stunden erledigt ist. Mit einer Akkuladung sind bis zu 8 Stunden Laufzeit (bis zu 14 Stunden Standby) möglich. Der Akkustand wird über eine LED angezeigt – leider weder in der App noch im Batterie-Widget.

Angemerkt: Im Lieferumfang ist lediglich ein kurzes Ladekabel dabei, aber kein Netzgerät. Da habe ich aber ohnehin jede Menge davon.

• Das Smartphone (darf bis zu 88mm breit und maximal 240g schwer sein) wird einfach mittig in die – gummierte – Halterung eingeklemmt. Und es lässt sich bei Bedarf wieder flott herausnehmen. Was praktisch ist: Ich brauche nichts zu kalibrieren, sondern kann gleich loslegen.

Angemerkt: Mein iPhone 11 – mit oder ohne Silikonhülle – passt hinein und wird fest gehalten. Allerdings befindet es nicht hundertprozentig mittig drinnen, da sonst die Fixierung die Leiser-Taste drücken würde. Dieser kleine Versatz beeinträchtigt aber in keiner merkbaren Weise den korrekten Betrieb.

• Am Griff sind vorne zwei Tasten (Funktion und Shutter) und auf der Rückseite eine Taste (Trigger) angebracht. Mit einem guten, hörbaren Druckpunkt. Damit lassen sich alle wichtigen Aktionen steuern. Bei der Funktionstaste sind dies Ein/Aus (Längerdrücken), Wechsel zwischen Panning und Lock Mode (Einzelklick), Wechsel zwischen Hoch- / Querformat des Smartphones (Doppelklick) sowie Initialisierung des Gimbal (Fünffachklick). Bei der Shutter Taste schaut das so aus: Wechsel zwischen Foto & Video Modus (Doppelklick – nur via App), Wechsel zwischen Front- / Rückkamera des Smartphones (Dreifachklick – nur via App) sowie Videoaufnahme im Shooting Mode (Länderdrücken – nur via App). Bei der Trigger Taste sind es Verfolgungsmodus (Drücken & Halten – nur via App) und Reset (Doppelklick).

• Im Gegensatz zum Gimbal von DJI ist hier keine direkte Steuerung über einen Joystick möglich. Das heißt: Ich muss mich bei Bedarf selbst bewegen. Ist zwar nicht so komfortabel, aber ich kann damit locker leben.

• Der maximale Rollwinkel (Roll) beträgt 165°, der Neigungswinkel (Tilt) 240° und der Schwenkwinkel (Pan) 330°. Ausreichend für meine Nutzung. Der Motor ist dabei hurtig und kaum hörbar.

• An der Unterseite des Griffs befindet sich ein 1/4″ Kamera-Standardgewinde. Zum Beispiel fürs Ministativ, das im Lieferumfang dabei ist.

• Wird das Gimbal nicht verwendet oder – z.B. im Rucksack – transportiert, so bewahre ich es im mitgegebenen Stoffbeutel auf. Da ist es gut geschützt.

Die zusätzlichen Möglichkeiten via Feiyu ON App

Wichtiger Hinweis: Das Gimbal kann auch ohne diese App genutzt werden, wenn auf alle Zusatzfunktionen (zu denen komme ich gleich) verzichtet wird. Was funktioniert, das ist die Stabilisierung beim Aufnehmen, das Drehen vom Smartphone sowie Aufnahme / Pause. Für mich ausreichend, denn ich verwende das Gimbal hauptsächlich mit der Standard iPhone Kamera-App.

Für ergänzende Möglichkeiten steht die Feiyu ON App bereit, kostenfrei erhältlich fürs iPhone und für Android-Smartphones. Voraussetzung beim erstmaligen Start der App ist die Angabe einer E-Mail-Adresse zum Login. Einen zwingenden Grund sehe ich allerdings keinen, aber dafür verwende ich eh immer eine eigene Gmail-Adresse.

Über diese App erfolgen Firmware-Updates fürs Gimbal. Was nervt, das ist die Vollformat-Werbung beim Start der App, die oft eingeblendet wird. Bei der Sprache wählte ich Englisch, da die deutsche Übersetzung etwas holprig ist.

Jetzt Obacht geben, denn es geht um die Berechtigungen. Lehnt man einzelne Zugriffe ab, so kommt eine Fehlermeldung in der App und diese ist nicht mehr bedienbar – z.B. Mikrofon. Bei iOS schaut das so aus:

• Der Zugriff auf Bluetooth ist für den Betrieb notwendig.

• Die weiteren Berechtigungen betreffen Kamera, Fotos und Mikrofon. Wird für Videos benötigt, wenn man die App verwenden will.

• Für die Funktion “Panorama” muss zusätzlich der Zugriff auf Bewegung- und Fitness-Daten gewährt werden. Das habe ich abgelehnt, da ich das als pures Datensammeln sehe und ich eh nicht mit dieser App verwende.

• Der Zugriff auf den Standort wird offenbar nicht benötigt und scheint in den Einstellungen auch nicht auf.

Zu Android kann ich nichts sagen, aber da soll es laut Bewertungen im Play Store noch heftiger zugehen – z.B. Zugriff auf Kontakte. Einfach selbst nachlesen und sich ein Bild machen.

Fürs Filmen stehen in der App ein paar Modi bereit:

• Objektverfolgung – dabei bleibt das Objekt (z.B. ein Gesicht) automatisch im Fokus
• Zeitraffer – unterstützt werden Statisch (komprimiert die Zeit), Trajektorie (kann Licht und Schatten aufnehmen) und Bewegung (Zeitreise)
• Einfrieren von Szenen (Lichtspur) – sowohl Fotos als auch Videos
• Zeitlupe
• überlappende Bilder
• Panorama – 180°, 360° oder Freihand
• Dolly Zoom – in Hitchcock-Manier

Und es ist durchaus realistisch, dass hier noch weitere Modi als Update nachgeliefert werden. Wer vorweg einen Blick auf die Möglichkeiten der einzelnen Modi werfen will: FeiyuTech hat ein paar Videos online gestellt, wo die einzelnen Funktionen gezeigt werden.

FeiyuTech VLOG pocket Gimbal – mein Fazit

Wie eingangs erwähnt war/ist mir bei einem Gimbal sehr wichtig, dass es kompakt sowie leicht ist und auch ohne zusätzliche Anbieter-App arbeitet. Und diese Punkte werden vom VLOG pocket erfüllt. Die Stabilisierung klappt – trotz der Größe – tadellos. Ich bin in Summe derzeit zufrieden damit und bereue den Kauf nicht. Sinnvoll wäre allerdings ein wechselbarer Akku, damit das Gimbal kein Wegwerfprodukt wird, wenn dessen Leistung / Laufzeit merklich nachlässt.

Bei Interesse: Ich kaufte das VLOG pocket Gimbal in einer Rabattaktion um ungefähr 89 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.