Mehr Privatsphäre: Session Messenger – keine Telefonnummer und kein Zugriff auf die Kontakte

Session Messenger am Desktop | Screenshot © Loki Foundation
Session Messenger am Desktop | Screenshot © Loki Foundation

Wer einen Messenger mit noch mehr Privatsphäre als Signal sucht, der könnte seinen Blick auf Session werfen. Kostenfrei für alle gängigen Systeme. Mit Nutzung ohne Angabe der Telefonnummer sowie ohne Zugriff auf die Kontakte. Ich habe mir angesehen, ob das nicht zu unhandlich ist …

Ich verwende seit längerer Zeit zwei Messenger auf meinem Smartphone: Signal als Haupt-App plus iMessage in der Apple-Welt. Damit bin ich auch ohne WhatsApp (ich meide Facebook generell) ausreichend vernetzt. Manchmal sehe ich mir dennoch neue Messenger an, die Wert auf Privatsphäre lege. So wie Session.

Session ist kostenlos und werbefrei erhältlich – für Android-Smartphones, fürs iPhone, für Windows, für macOS, für Linux. Entwickelt wird das Service von der Loki Foundation, einer Non-Profit-Organisation. Die Monetarisierung erfolgt über ein Blockchain-Netzwerk. Session ist ein sogenannter Fork, eine Abspaltung von Signal. Von den Möglichkeiten her sehr ähnlich, aber bei der Einrichtung wird weder nach der Telefonnummer gefragt noch der Zugriff auf die Kontakte verlangt. Beide Sachen werden nicht zwingend benötigt.

Anonym ohne Telefonnummer, ohne Zugriff auf die Kontakte

Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen: Durch den Zugriff auf die Kontakte werden alle dort gespeicherten Daten weitergegeben. Dabei geht es um private Daten eurer Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen. Ob mangelnder Kenntnis dieser Tatsache regen sich auch ganz wenige Menschen auf. Hier wäre etwas Nachdenken vielleicht ganz hilfreich!

Session Messenger am iPhone
Session Messenger am iPhone

Bei der ersten Installation der App wird eine neue Sitzung – eine Session – erstellt. Dabei wird im ersten Schritt eine einmalige, längere Session-ID erstellt. Das ist die persönliche Identifikation, um sich mit anderen Nutzern zu verbinden. Diese Session-ID wird im zweiten Schritt durch eine Wiederherstellungsphrase geschützt. Damit lässt sich bei einem Wechsel des Geräts der Messenger weiterhin verwenden. Diese beiden Sachen muss man sich unbedingt notieren. Ich habe sie in meinem Passwort Manager (ich verwende schon länger SafeInCloud zusammen mit ownCloud) drinnen.

Das Hinzufügen neuer Kontakte erfolgt dann durch Austausch der Session-IDs oder per Scan eines QR-Codes. Eine Session-ID lässt sich fürs Smartphone und für den Computer verwenden.

Zu den weiteren Punkten der Privatsphäre zählen zum Beispiel: dezentralisiertes Server-Netzwerk, kein Mitprotokollieren von Metadaten, Verschleierung der IP-Adresse, keine Tracker.

Session Messenger am iPhone
Session Messenger am iPhone

Wenn das bis jetzt noch kein Hinderungsgrund war

Session liefert die grundlegenden Funktionen eines Messengers. Dazu gehören zum Beispiel geschlossene Gruppen mit Ende-zu-Ende Verschlüsselung (allerdings nur für bis zu zehn Personen), verschwindende Nachrichten (sobald sie gelesen wurden), App-Zugriffsschutz via Face ID / Touch ID sowie sichere Anhänge (z.B. Sprachnachrichten, Fotos, Dateien).

Session Messenger – mein Fazit

Da Session ohne Telefonnummer und Zugriff auf die Kontakte agiert, ist die Verknüpfung mit anderen Nutzern aufwendiger. Aber zusätzliche Privatsphäre ist halt kein bequemer Weg. Somit wird Session wohl keine nennenswerte Verbreitung finden. Schade.

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